Kooperation statt Konkurrenz: wie das GC4C Behörden und Wirtschaft verbindet
5 Grundsätze der Identität (5/5): KOOPERATION
Moderne Cyberkriminalität funktioniert wie ein Wirtschaftszweig. Es gibt Spezialisten für den Erstzugang zu fremden Netzwerken, andere für die Verschlüsselung von Daten, wieder andere für die Erpressung und die Geldwäsche. Ransomware wird als Dienstleistung vermietet, Zugangsdaten werden auf Marktplätzen gehandelt. Die Angreiferseite hat verstanden, dass Arbeitsteilung überlegen ist.
Die Verteidigungsseite in Deutschland ist dagegen häufig genau das Gegenteil: Jedes Unternehmen sichert sich für sich, jede Behörde arbeitet in ihrer Zuständigkeit, jeder Dienstleister betreut seine Kunden. Diese Struktur ist historisch gewachsen und in vielen Punkten nachvollziehbar – gegen einen arbeitsteiligen Gegner ist sie strukturell im Nachteil.
Warum Kooperation in der Cybersicherheit nicht selbstverständlich ist
Zusammenarbeit klingt nach einer Selbstverständlichkeit, an der niemand ernsthaft zweifelt. In der Praxis stehen ihr aber handfeste Hürden im Weg, und es lohnt sich, diese offen zu benennen.
Unternehmen fürchten Reputationsschäden, wenn sie über Sicherheitsvorfälle sprechen – lieber wird ein Angriff intern abgearbeitet als gemeldet. Sicherheitsanbieter stehen im Wettbewerb zueinander und teilen ihr Wissen ungern mit Mitbewerbern. Behörden arbeiten in gesetzlich definierten Zuständigkeiten, die einen informellen Austausch nicht immer vorsehen. Und zwischen allen Beteiligten fehlt oft schlicht der persönliche Kontakt, der Vertrauen erst möglich macht.
Das Ergebnis ist eine paradoxe Situation: Alle Beteiligten verfolgen dasselbe Ziel, aber die Erkenntnisse der einen erreichen die anderen nicht – oder zu spät.
Was Kooperation beim GC4C konkret bedeutet
Das German Center for CyberSecurity e.V. ist als gemeinnütziger Verein bewusst so gebaut, dass es diese Hürden abbauen kann. Kooperation ist deshalb der fünfte unserer fünf Grundsätze der Identität – und sie richtet sich auf drei Ebenen.
Kooperation innerhalb des eigenen Netzwerks. Unsere Mitglieder sind Beschützer und Schutz suchende (Schutz nachfragende). Dies sind „im normalen Leben“ Anbieter, Kunden und Wettbewerber, – und arbeiten im GC4C trotzdem zusammen. Möglich wird das,
=> durch eine gemeinsame Überzeugung in der übergeordneten Sache an sich, dass es Sicherheit nur gemeinsam gibt.
=> durch ein gemeinsames Mindset, festgehalten in einem Code of Conduct, der die Einstellung und das Verhalten beschreibt, als Voraussetzung um Vertrauen entstehen zu lassen.
=> und durch die Verankerung der Gemeinnützigkeit in Sinn und Zweck des Handelns: Der Verein verkauft nichts und vermittelt auch keine Aufträge gegen Provision. Wer sich einbringt, stärkt damit nicht den Umsatz eines Konkurrenten, sondern die Widerstandsfähigkeit des Standorts und die Erreichung des Ziels: Deutschland als Ganzes cybersicherer und cyberresilient zu machen.
Kooperation mit Sicherheitsbehörden. Das GC4C sucht das Gespräch mit Institutionen wie dem Bundeskriminalamt, den Sicherheitsbehörden der Länder und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Behörden verfügen über Lagewissen, das der Wirtschaft in aufbereiteter Form nützt; die Wirtschaft wiederum sieht Angriffsmuster oft früher, als sie in offiziellen Statistiken auftauchen. Unser zweiter Vorstand Ingmar Weitemeier bringt hier vier Jahrzehnte Erfahrung aus der Polizei- und Sicherheitsarbeit ein, unter anderem als früherer Direktor eines Landeskriminalamts.
Kooperation mit Verbänden und Kammern. Wer den Mittelstand erreichen will, muss dorthin gehen, wo der Mittelstand ohnehin organisiert ist. Gespräche mit Mittelstandsverbänden, der IHK-Organisation und weiteren Multiplikatoren sind deshalb fester Bestandteil unserer Arbeit – nicht als Marketingkanal, sondern als Zugang zu Unternehmen, die von reinen Fachveranstaltungen nie erreicht werden.
Der Unterschied zwischen Konkurrenz und Ergänzung
Ein Einwand, der uns regelmäßig begegnet: Braucht Deutschland wirklich noch eine weitere Organisation im Bereich Cybersicherheit? Es gibt Behörden, Verbände, Initiativen und Allianzen – ist das GC4C nicht einfach eine weitere Stimme in einem ohnehin unübersichtlichen Feld?
Unsere Antwort: Das GC4C tritt nicht in Konkurrenz zu bestehenden Strukturen, sondern arbeitet in der Lücke zwischen ihnen. Behörden können beraten, aber keine konkreten Dienstleister empfehlen oder verbinden. Verbände vertreten Interessen, prüfen aber keine fachliche Qualität. Anbieter liefern Leistung, sind aber naturgemäß nicht neutral. Ein gemeinnütziger Verein, der Anbieter qualitätsgesichert versammelt, unabhängige Lotsen bereitstellt und beide Seiten zusammenbringt, besetzt keine dieser Rollen doppelt – er verbindet sie.
Die fünf Grundsätze im Überblick
Mit diesem Beitrag schließt sich unsere Serie zu den fünf Grundsätzen der Identität des GC4C. Sie beschreiben, wie wir arbeiten, und sie sind der Maßstab, an dem wir uns messen lassen:
Unabhängig – das GC4C gehört keinem Anbieter und vertritt keine Produktinteressen. Gemeinnützig – wir haben einen Auftrag - eine Mission, kein Geschäftsmodell. Ecosystem – niemand schafft Cybersicherheit allein, weder Anbieter noch Anwender noch Behörden. Bundesweit – unser Sitz ist Berlin, unsere Wirkung soll überall entstehen. Kooperation – wir bauen Brücken zwischen Staat, Wirtschaft und Expertise, statt Silos zu verstärken.
In den kommenden Wochen stellen wir die Menschen und Unternehmen vor, die diese Grundsätze mit Leben füllen: unseren Vorstand, unsere CyberSec-Lotsen und unsere Gründungsmitglieder.
Sicherheit gibt es nur gemeinsam! Mehr erfahren: Mitglied werden oder Newsletter abonnieren.