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Ralf Greis, Vorstandsvorsitzender GC4C

Im Portrait: Ralf Greis – warum ein Transformations-Profi einen CyberSecurity-Verein gründet

Gesichter des GC4C (1/3): unser Vorstandsvorsitzender

2. Oktober 2026 · GC4C-Redaktion Portrait

Wer die Gründungsgeschichte des German Center for CyberSecurity e.V. (GC4C) erzählen will, muss bei einer ungewöhnlichen Beobachtung anfangen: Am Anfang stand kein Sicherheitsforscher, kein Rechenzentrum und kein Vorfall. Am Anfang stand ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die sich in Wiesbaden am Sitz des früheren German Center against Cybercrime e.V. kennengelernt hatten – Ralf Greis, heute Vorstandsvorsitzender des Vereins, und Ingmar Weitemeier, heute zweiter Vorstand und früherer Direktor eines Landeskriminalamts.

Ralf Greis' Berufsweg führt nicht durch Security Operations Center, sondern durch Vorstandsetagen, Strategieprozesse und Veränderungsprojekte. Genau das wirft die Frage auf, die dieses Portrait beantworten soll: Warum gründet ausgerechnet ein Unternehmenslenker und Transformationsberater einen gemeinnützigen Cybersecurity-Verein?

Zwei Jahrzehnte Transformation: der berufliche Weg von Ralf Greis

Ralf Greis hat vor über zwanzig Jahren die Zukunfts-Akademie, ein Unternehmen für ganzheitliche Unternehmensentwicklung, gegründet und führt sie bis heute. Er war Gründer zweier StartUps, Geschäftsführer mehrerer Unternehmen, Vorstand in zwei IT-Services-Unternehmen und hat in dieser Zeit begleitet, was in der Beratungssprache Transformation heißt und im Alltag meist deutlich unspektakulärer aussieht: Unternehmen, die sich verändern müssen, aber noch keine Vision von der Zukunft haben. Organisationen, die eine Entscheidung getroffen haben, aber noch nicht danach arbeiten. Strategien, die auf Folien existieren und im Betriebsalltag nicht ankommen. Führungskräfte, die wissen, was zu tun wäre, und trotzdem nicht anfangen.

Über den Senat der Wirtschaft Deutschland, in dem er Senator ist, und über den Münchner Kreis ist er zusätzlich in Netzwerken unterwegs, die Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenbringen. Beides – die Erfahrung mit Veränderungsprozessen und der Zugang zu Entscheidungsträgern – prägt bis heute, wie das GC4C arbeitet.

Warum Cybersicherheit in Deutschland kein reines Technikproblem ist

Die Bedrohungslage lässt sich in wenigen Zahlen umreißen. Deutschland belegt laut dem Sicherheitstacho der Deutschen Telekom Platz 2 der weltweit meistangegriffenen Länder – über 700 Millionen Angriffe wurden dort allein in einem Zeitraum von 30 Tagen im März 2026 registriert. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zählt laut seinem aktuellen Lagebericht rund 309.000 neue Schadprogramme pro Tag, ein Plus von 26 Prozent, und 119 neu bekannt gewordene Schwachstellen täglich, ein Plus von 24 Prozent. Der jährliche Schaden für die deutsche Wirtschaft wird von Bitkom auf rund 202 Milliarden Euro beziffert.

Entscheidend ist aber, wen diese Angriffe treffen: Rund 80 Prozent der angezeigten Angriffe richten sich gegen kleine und mittlere Unternehmen. Und 83 Prozent aller deutschen Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeitende. Dort gibt es in aller Regel keine Sicherheitsabteilung, keinen Chief Information Security Officer und keine Zeit, Anbieterversprechen fachlich zu prüfen.

Die passenden Werkzeuge existieren also längst – sie kommen nur bei denen nicht an, die sie am dringendsten brauchen. Das ist kein technisches Defizit, sondern ein Organisations- und Haltungsproblem. Und damit exakt die Disziplin, in der Ralf Greis seit Jahrzehnten arbeitet.

Aus einer Erkenntnis wird ein gemeinnütziger Verein

Am 26. August 2025 wurde das GC4C von neun Gründungsmitgliedern gegründet; heute ist es als eingetragener und gemeinnütziger Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Charlottenburg unter VR 42183 geführt. Der Sitz ist Berlin – eine bewusste Entscheidung, die unser dritter Vorstand Christian Fenner eingebracht hat, damit der Verein dort handlungsfähig und ansprechbar ist, wo politische Entscheidungen fallen.

Die Konstruktion als gemeinnütziger Verein ist dabei kein Formalie-Detail, sondern die Voraussetzung für alles Weitere. Wir verkaufen nichts, vermitteln keine Aufträge gegen Provision und vertreten keine Produktinteressen. Erst diese Unabhängigkeit und ein bestimmtes gemeinsames Mindset – eine Haltung aus Überzeugung – machen es möglich, dass Wettbewerber im selben Netzwerk zusammenarbeiten und dass unsere CyberSec-Lotsen Unternehmen wirklich neutral beraten können. Aber vielmehr als das: Dass Unternehmen aus dem Mittelstand, kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, die weniger als 250 Mitarbeitende haben, fehlendes Vertrauen aufbauen können, um sich dem Thema Sicherheit zu widmen. Gemeinsam mit anderen, bewusst, zielführend, bedarfsorientiert, ehrlich und auf Augenhöhe.

Die Haltung hinter der Rolle

Wer mit Ralf Greis über das GC4C spricht, landet schnell bei Werten – und zwar nicht als Dekoration, sondern als Arbeitsgrundlage. Sein Selbstverständnis fasst er so zusammen:

„Als Menschenfreund und überzeugter Verfechter einer konsequenten Lösungsorientierung glaube ich an die Kraft der Vision, das Credo von Ethik und werteorientiertem Handeln sowie das Wissen, die Energie und die Kreativität von Menschen."

Ralf Greis, Vorstandsvorsitzender GC4C

Für den Verein übersetzt sich dieser Satz in die fünf Grundsätze unserer Identität – Unabhängig, Gemeinnützig, Ecosystem, Bundesweit und Kooperation – und in die vier strategischen Säulen unserer Arbeit: Ecosystem, Qualitätssicherung, Mindset und Orchestrierung.

Die Säule Mindset ist dabei diejenige, in der die Handschrift eines Transformationsprofis am deutlichsten sichtbar wird: Sicherheit entsteht nicht durch Werkzeuge allein, sondern durch Menschen, die anders arbeiten wollen – in einer Haltung, die dysfunktionales Verhalten vermeidet, um Veränderung möglich zu machen. Sie ist niedergeschrieben im Code of Conduct des GC4C, dem sich alle Mitglieder verpflichten.

Wie es weitergeht

Ein Verein wird nicht von einer Person getragen. In den kommenden Wochen stellen wir deshalb weitere Gesichter des GC4C vor: die übrigen Vorstandsmitglieder, unsere CyberSec-Lotsen und nach und nach unsere Gründungsmitglieder. Sie alle sind der Grund, warum aus einer Erkenntnis eine arbeitsfähige Struktur werden konnte.

Sicherheit gibt es nur gemeinsam! Mehr erfahren: Mitglied werden oder Newsletter abonnieren.

Quellenangaben

  1. Deutsche Telekom: Sicherheitstacho, Echtzeit-Darstellung globaler Cyberangriffe.
  2. BSI – Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: „Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2025", Lagebericht vom 11. November 2025.
  3. Bitkom: Studie „Wirtschaftsschutz 2025", Pressekonferenz vom 18. September 2025.